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„Radio Maryja“ einflussreicher als der Ministerpräsident

PR dla Zagranicy
Adam de Nisau Adam de Nisau 15.11.2012 12:27
Das Wochenmagazin Wprost wartet in seiner aktuellen Ausgabe mit einem Ranking der 50 einflussreichsten Polen auf.

Alle Tageszeitungen bringen heute auf ihren Titelseiten Fotos von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Donald Tusk.

Gazeta Wyborcza: Partieller Erfolg in Berlin

Geht es nach der Gazeta Wyborcza, hat Tusk gestern in Berlin einen partiellen Erfolg erzielt. Wie ein Informator der Zeitung mitteilte, hat Merkel zugegeben, dass Polen gut mit dem Investieren von EU-Geldern zurechtkommt und dass man dies bei den geplanten Einschnitten im EU-Budget auch berücksichtigen sollte. Solche Aussagen sind eine Überraschung, betont die Gazeta Wyborcza. Bisher hätten die reichen EU-Staaten die ärmeren dafür kritisiert, die Zuschüsse vergeudet zu haben. Und partiell sei Tusks Erfolg vor allem, da noch keine konkreten Zahlen gefallen sind.

Dziennik/Gazeta Prawna: Eine Hand wäscht die andere
Dziennik/Gazeta Prawna macht indes darauf aufmerksam, dass sowohl Merkel, wie auch Tusk sehr stark an einem schnellen Kompromiss gelegen ist. Die Bundeskanzlerin möchte vor den Parlamentswahlen im kommenden Jahr zeigen, dass sie es geschafft hat, die Union auf sichere Gewässer zu lenken. Auch Ministerpräsident Tusk steht unter innenpolitischem Druck. Wenn ab Anfang 2014 nur ein provisorisches Budget vorliegt, dann werden die größten Investitionen in die Infrastruktur bis auf Weiteres gestoppt werden müssen. Dies würde die Position Tusks in Polen vor den Wahlen 2015 beträchtlich schwächen. Gestern, so Dziennik, haben beide Politiker eben daher deutlich Kurs auf einen Kompromiss genommen. EU-Präsident Rompuy schlägt Einschnitte in Höhe von 75 Milliarden Euro vor, Deutschland würde den neuen Haushalt gerne um 130 Milliarden Euro kleiner sehen. Wenn es gelingt, die Briten zu besänftigen, werden sich die Verhandlungspartner letztendlich wahrscheinlich irgendwo zwischen diesen beiden Summen treffen, spekuliert Dziennik/Gazeta Prawna.

Rzeczpospolita: Technische Vorstandsschmieden

Unter den polnischen Firmenchefs dominieren Absolventen technischer Hochschulen, berichtet die Rzeczpospolita. Echte Vorstandsschmieden sind demnach: die Technische Universität Warschau, die Akademie für Bergbau und Hüttenwesen in Krakau und die Schlesische Technische Universität in Gleiwitz. Wie aus der Untersuchung der Karrieren von 435 Topmanagern hervorgeht, besitzt über ein Viertel der Chefs der größten polnischen Unternehmen ein Diplom einer dieser Hochschulen. Nach der Krise hat sich, wie die Studie der Rzeczpospolita auch gezeigt hat, der Vorsprung der Ingenieure vor anderen Professionen noch weiter vergrößert. An zweiter Stelle hinter ihnen befinden sich Absolventen ökonomischer Hochschulen – knapp jeder fünfte der Topmanager hat das Diplom einer von ihnen. Das Ranking der Vorstandsschmieden ist zum sechsten Mal auf der Grundlage von Fragebögen und Informationen von den Internetseiten der Unternehmen entstanden.

Wprost: „Radio Maryja“ einflussreicher als der Ministerpräsident

Und wenn wir schon beim Thema Rankings sind. Das Wochenmagazin Wprost wartet in seiner aktuellen Ausgabe mit einer Zusammenstellung der 50 einflussreichsten Polen auf. Platz eins in dem Ranking geht in diesem Jahr an den Chef des erzkonservativen Rundfunksenders „Radio Maryja“, Pater Tadeusz Rydzyk. Rydzyk, lesen wir in Wprost, hat politisches Talent und einige Millionen Hörer, die auf seinen Fingerzeig hin bereit sind, die einen Politiker emporzuhieven und andere zu Fall zu bringen. Zu seinem medialen Imperium gehört außer „Radio Maryja“ auch der TV-Sender „Telewizja Trwam“, die Tageszeitung „Nasz Dziennik“ und eine Hochschule für Sozial- und Medienkultur. Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski hat neulich in einem Interview zugegeben, dass kein anderer Politiker in Polen dazu fähig ist, solche Menschenmassen zu versammeln, wie der Radio-Maryja-Chef. In die Top Drei des Rankings haben außer Rydzyk auch Ministerpräsident Donald Tusk – ein Anführer, der, wie das Blatt schreibt, nie die Kontrolle verliert – und der Gründer des großen Orchesters der Weihnachtlichen Hilfe, Jerzy Owsiak Eingang gefunden. Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski – aus dem die Smolenskkatastrophe, laut Wprost, eine Art religiösen Anführer gemacht hat - belegt im neusten Ranking der einflussreichsten Polen Rang fünf.

Autor: Adam de Nisau
Redaktion: Joachim Ciecierski

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